Ich (bj75) wurde in der Schule nicht aufgeklärt. Sexualität hatte damals einfach keinen Platz im Unterricht. Also tauschten wir untereinander das eine oder andere Magazin aus, unterhielten uns mit älteren Kollegen, die da mehr Erfahrungen hatten, und stellten uns so einen „Plan“ zusammen, wie Sex wohl laufen könnte. Später, nach ersten sexuellen Erfahrungen wurde man selbstsicherer und routinierter. Dennoch gab es einen Bereich, der darauf wartete erkundet zu werden. BDSM. Und das einige Jahrzehnten.
Schon alleine wegen 3 Fragen:
- Ist das normal ?
- Wenn ja, gibt es noch andere Menschen die ähnlichen ticken?
- Was würde die Gesellschaft/Umfeld darüber denken?
Wir treffen immer wieder Menschen, die ihre Sexualität so ausleben wie es zu ihren Wünschen und Bedürfnissen passt. Wäre es nicht schön, auch unsere Sexualität selbstbestimmt zu erkunden/ausleben? Alleine oder zusammen mit einem Partner? Mit BDSM.
Gibt verschiedenen Möglichkeiten:
Erster Schritt: Wissen ist Macht.
Horizont öffnen. Bücher & Serien, Filme, Artikel im Internet, all das kann ein guter Start sein. Wichtig ist, sich erstmals bewusst zu machen „was macht mich an, was lässt mich kalt“. Ob das in real life auch so ist, erleben wir später. Es geht überhaupt erstmals darum Gedanken zuzulassen, z. B. : „Ich genieße es, wehrlos zu sein.“ (Siehe Frage: Ist das normal?)
Zweiter Schritt: Gleichgesinnte finden
Wir leben in einer Zeit, da findet man relativ leicht (erstmal im Internet) Menschen mit ähnlichen Interessen.
Es ist immer gut, zu erkennen, das da draußen noch andere Menschen sind, die mir ähnlich sind. Die genauso unsicher sind wie ich, die genauso mit sich hadern, aber das auch ändern möchten. Reden hilft, egal ob digital im Chat, oder auf einem Stammtisch. Natürlich wenn man es auch zulässt, seine Gedanken, Bedenken anderen anzuvertrauen.
Natürlich macht es auch Sinn, Gleichgesinnte real zu treffen.
(Siehe Frage: gibt es noch andere Menschen die ähnlich ticken?)
Dritter Schritt: Reden & zuhören
Ich finde, das ist DIE größte Hürde: die eigenen Wünsche, dem Partner zu sagen aber auch die Reaktion darauf aushalten zu können. Schließlich lauern einige Herausforderungen:
- versteht sie/er was ich meine
- schreckt das sie/ihn ab
- verlässt sie/er mich deshalb
Wobei sich hier die Wege teilen können:
- Partner:in versteht/respektiert mich
- Partner:in kommt nicht klar damit
- Partner:in teilt meine Wünsche oder wenigstens Teile davon
Vierter Schritt: Hilfe holen
Stichwort Sexualberatung. Gerade wenn man mit der eigenen Sexualität nicht mehr weiterkommt, bzw. nicht weiß, wo man starten soll, kann Hilfe von draußen sehr hilfreich sein.
Spätestens wenn im dritte Schritt klar wird: Partner:in kommt nicht klar damit.
Gerade im vertraulichen Gespräch können alte Glaubenssätze, Routinen, Blockaden, Hindernisse langsam beseitigt werden. Dadurch entwickelt sich wiederum die eigene Sexualität weiter. Außerdem ist eine Sexualberatung und -Therapie ein sicherer Raum, in dem man sich langsam öffnen kann. Alleine oder auch mit Partner:in zusammen. Natürlich wenn das auch so gewollt ist.
In meiner Kinky-Blase stieß ich z.B. auf Online Sexualberatung - Robert Stoy. Das könnte z. B. eine erste Anlaufstelle sein. Wer lieber in seiner Nähe suchen möchte: Sexualtherapie / Sexualberatung - Therapeuten deutschlandweit. EIne Anlaufstelle mit Focus auf Kink/BDSM ist Kink-Friendly | Kink-Friendly Professionals.
Natürlich:
- wenn man die zulassen kann
- auf den Therapeut einlassen kann
Fazit
Nur weil man einen unaufgeklärten Start ins Liebesleben hatte, kein Grund, das nicht in eine starke, erfolgreiche Zukunft zu verwandeln.
One more thing
Ich fand eine verständnisvolle Partnerin. Sie kann mit BDSM persönlich nichts anfangen, wir fanden unseren Weg insofern, dass jeder den anderen unterstützt, seine Sexualität so auszuleben, das sie ihm und der Beziehung auch gut tut.
S.
Gerade wenn es um kink geht, könnten auch die kink- friendly professionals https://kink-friendly.de/ eine gute Anlaufstelle sein.
fresh7576
Danke für den Tipp, Liste wird ergänzt.