Lady Sunshine hat vor längerer Zeit das Buch "BDSM und Psychotherapie" gelesen und in paar Sätze auf Mastodon darüber berichtet.

Ich bat sie, ihre Rezension in einen Text zu fassen, denn ich euch nicht vorenthalten kann. Danke für die gemachte Mühe! Es ist ein Thema das uns allen, die wir mit Kinks leben, weiter bringt.


“BDSM & Psychotherapie” – ein Buch, Herausgeber Gisela Fux Wolf und Sascha Bos, Verlag
Edition assemblage, ISBN 978-3-96042-161-0

Auf das Buch wurde ich über den Podcast „Mono, Poly & Co.“ aufmerksam. In Folge #112 - Interview mit Fux Wolf | Mono, Poly & Co. wird Fux Wolf interviewt, diese Folge machte mich neugierig, mich intensiver mit dem Thema Therapie und kink auseinanderzusetzen.

„Be True to Your Desires, Your Limits, Your Flaws, and Your Errors“ 
(Midori 2012, S. 294) p. 17 im Buch

Es ist ein Fachbuch und definitiv keine Lektüre, die man einfach so wegliest. Ich habe jetzt relativ lange gebraucht, um das Buch fertig zu lesen – dazwischen war zu viel Leben, um mich gut zu konzentrieren. Ich bin selbst überrascht, wie viele Einmerkungen ich für mich gemacht habe.

Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich mit einer Einführung ins Thema BDSM. Die zweite Hälfte damit, wie im medizinisch/therapeutischen Kontext mit BDSM/kink bisher umgegangen wurde und warum es jetzt an der Zeit ist, das zu ändern.

Im 1. Teil des Buches kommen auch Stimmen aus der Community zu Wort und geben einen guten Einblick, wie wertschätzend und offen der Umgang meistens ist. Es ist ein Buch, das marginalisierte Perspektiven intersektional mitdenkt. Ein Buch, das queere Beziehungen und Genderidentität mitdenkt und somit auch in diesem Bereich andere Einblicke gibt. 


Im 2. Teil geht es darum, wie Therapie für Menschen, die sich als Kinkster (der Terminus wird im Buch verwendet), sensible gestaltet und durchgeführt werden kann. Viele der Kapitel sind auch im übertragenen Sinn hilfreich (zB Umgang mit internalisierter Negativität, Coming-out, Substanzmissbrauch, Gewalt und Traumaerfahrungen), aber auch spezifische Themen, die sich aus den unterschiedlichen Partnerschaften und Rollen entwickeln können.

Ich fand das Buch super hilfreich, weil es mir geholfen hat, meinen Blick auf meine Erfahrungen zu reflektieren und auch Orientierung bietet, wie ich neuen Spielpartner*innen begegnen möchte und was es für mich braucht, dass Consent hergestellt werden kann.


Die Beschreibung der ‚Community‘, in der Kink gelebt wird / Kinkster leben, zeigt ein bisschen das, was wir hier auch erleben – Gemeinschaft, keine Vorverurteilung oder Kink-Shaming. Die Community als Raum, um auch mit ungewöhnlichen Vorlieben nicht alleine zu sein und dadurch evtl. an Menschen zu geraten, die einem nichts Gutes wollen.


Fazit: für eine lohnenswerte Lektüre und ich kann mir vorstellen, daraus auch noch ab und an zu zitieren.


Lese dazu auch: Kink Guidelines